Die Auszeichnung für herausragende Doktorarbeiten wird seit 1963 vergeben, seit 1976 trägt der Preis den Namen des Ehrensenators und langjährigen Präsidenten der Freunde-Vereinigung der Universität, Dr. Eduard Martin.
Bei der Preisverleihung, die in Zusammenarbeit mit dem Graduiertenprogramm der Universität (GradUS) organisiert wurde, gaben die Forschenden Einblicke in ihre Projekte. Aus der Medizinischen Fakultät waren dies Dr. rer. nat. Ahmad Aljohmani und Dr. rer. nat. Selina Wrublewsky.
Dr. rer. nat. Ahmad Aljohmani wurde von Prof. Dr. Daniela Yildiz, Präklinisches Zentrum für Molekulare Signalverarbeitung - PZMS, betreut. Seine Arbeit trägt den Titel: „Cell-specific regulation and function of ADAM10 and ADAM17 during Pseudomonas aeruginosa infection“.
„Meine Forschung untersucht, wie zwei Oberflächenenzyme auf Immunzellen, ADAM10 und ADAM17, die Abwehrreaktion bei schweren Lungeninfektionen wie Pseudomonas aeruginosa-Pneumonie und COVID-19 steuern. Beide regulieren die Abspaltung wichtiger Rezeptoren und Botenstoffe an der Zelloberfläche", erklärt Dr. Aljohmani. "Dabei verstärkt ADAM10 die sehr frühe Entzündung in der Lunge, während ADAM17 diese Reaktion eher ausbalanciert. Entscheidend ist, dass die Aktivität dieser Proteasen auch die Eigenschaften der Immunzellen in der Lunge selbst verändert – wie sie sich bewegen, miteinander kommunizieren und Krankheitserreger abtöten – und damit direkt die Wirksamkeit der körpereigenen Abwehr beeinflusst. Zudem fanden wir ADAM10 und ADAM17 auf winzigen, im Blut vorhandenen Vesikeln (Exosomen), die die Gefäßbarriere schwächen und Herzmuskelzellen belasten können. Das könnte erklären, warum eine Lungeninfektion auch andere Organe in Mitleidenschaft zieht. Insgesamt deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass ADAM10/17 auf Exosomen als Biomarker der Krankheitsschwere dienen und neue Ansatzpunkte für Therapien bieten, die schädliche Entzündungen dämpfen, ohne die antibakterielle Abwehr zu beeinträchtigen.“
Dr. rer. nat. Selina Wrublewsky (betreut von Prof. Dr. Matthias Laschke, Institut für Klinisch-Experimentelle Chirurgie) erforschte „Anti-inflammatorische und pro-angiogene Strategien zur Verbesserung der Revaskularisierung und endokrinen Funktion transplantierter Langerhans-Inseln”.
„Diabetes mellitus stellt mit mehr als 530 Millionen betroffenen Personen nicht nur eine der weitverbreitetsten Stoffwechselstörungen dar, sondern zählt auch zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Die Transplantation von Langerhans-Inseln aus der Bauchspeicheldrüse ist eine vielversprechende Alternative im Vergleich zu täglichen Insulinapplikationen bei Diabetes mellitus Typ 1", erläutert Dr. Wrublewsky. „Für den Erfolg der Therapie müssen möglichst schnell neue Blutgefäße in die transplantierten Langerhans-Inseln einwachsen, um ihre Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff zu gewährleisten. Entsprechend sind Strategien, welche die Vaskularisierung von transplantierten Langerhans-Inseln verbessern, von großem klinischen Interesse. In meiner Doktorarbeit konnte ich mit der Co-Transplantation von Langerhans-Inseln und isolierten Blutgefäßfragmenten aus Fettgewebe eine einfache und effektive Methode entwickeln, um dieses Ziel zu erreichen. Hierbei konnte der Blutzuckerspiegel diabetischer Mäuse wenige Tage nach der Co-Transplantation von Langerhans-Inseln und Blutgefäßfragmenten in das subkutane Fettgewebe auf physiologische Werte gesenkt werden.“
Weitere ausgezeichnete Doktorarbeiten in angrenzenden Fachbereichen:
Dr. rer. nat. Felix Deschner forscht im Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) bei Prof. Rolf Müller. Er hat neue Wirkmechanismen gegen resistente Keime entschlüsselt und kam somit mehreren neuen Behandlungsmöglichkeiten auf die Spur. Seine Arbeit trägt den Titel: „Biological Evaluation of Antibiotics overcoming Resistance - Natural Product Chlorotonil and synthetic Nitroxoline”.
Mehr lesen: https://campus.uni-saarland.de/forschung/neue-wirkmechanismen-gegen-resistente-keime-entschluesselt
Jun.-Prof. Dr. rer. nat. Kerstin Lenhof forscht daran, verlässlich voraussagen zu können, welches Krebsmedikament im Einzelfall gut wirkt. Die Bioinformatikerin arbeitete bei Prof. Hans-Peter Lenhof (ihr Doktorvater trägt zufällig den gleichen Namen) an Verfahren des maschinellen Lernens, um die Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten zu optimieren: „Machine learning-based anti-cancer drug treatment optimization”.
Mehr lesen: https://campus.uni-saarland.de/forschung/auf-dem-weg-zur-massgeschneiderten-krebstherapie


