Ein Gewinn für Patientensicherheit und Versorgungsqualität

Medikamentenmanagement
UKS / Herrmann Eine Mitarbeiterin der UKS-Klinikapotheke kontrolliert einen Auftrag am Verpackungsautomaten

Vor drei Jahren startete am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg die tiefgreifende Modernisierung eines der sensibelsten klinischen Abläufe: Die Verordnung von Medikamenten wurde digitalisiert und die entsprechende Versorgung der Patientinnen und Patienten in weiten Teilen automatisiert. Aus dem anfänglichen Pilotprojekt mit zwei Stationen der Orthopädie ist mittlerweile ein klinikweiter Routineprozess geworden. Gut 28 Stationen und etwa die Hälfte aller Betten am UKS sind Ende 2025 bereits Teil des Closed-Loop-Medication-Managements. Rund 60.000 Patientinnen und Patienten können nun jährlich über die Unit-Dose-Logistik mit individuellen Arzneimittelblistern versorgt werden.*

„Das Cloosed-Loop-Medication-Management ist am UKS zu einem festen Bestandteil der klinischen Praxis geworden und zu einem positiven Beispiel dafür, wie Digitalisierung im Gesundheitswesen konkret wirken kann: sicherer, effizienter und näher am Patienten“, erklärt Dr.  Manfred Haber, Direktor der UKS-Klinikapotheke. „Seit der Einführung des neuen Systems konnte die Zahl potenzieller Medikationsfehler deutlich reduziert werden. Fehler durch unleserliche Handschriften, Verwechslungen bei der Arzneimittelauswahl oder falsche Dosierungen gehören heute weitgehend der Vergangenheit an. Wir haben in weiten Teilen des UKS den Gold-Standard erreicht: Das richtige Medikament, in der richtigen Dosis, zur richtigen Zeit, beim richtigen Patienten.“ 

 

Ein geschlossener Kreislauf mit vier wichtigen Bereichen 

Das Closed-Loop-Medication-Management besteht aus vier Teilbereichen, die ineinander greifen. Erster Teilbereich ist die Medikamentenverordnung, die das ärztliche Personal auf den Stationen nun in elektronischer Form vornimmt. Die digitale Verordnung ist gegenüber der handschriftlichen, analogen Variante von Vorteil. Denn sie ist schneller und breit verfügbar, direkt dokumentiert und weniger fehleranfällig. 

Im zweiten Teilbereich des neuen Medikationsmanagements kommen die Stationsapothekerinnen und Stationsapotheker ins Spiel. Sie arbeiten im engen Austausch mit dem ärztlichen und pflegerischen Stationspersonal und beraten dieses, sie fördern durch ihre Expertise die Arzneimitteltherapiesicherheit. 

Der dritte Teilbereich, die Arzneimittellogistik, betrifft die Arbeit in der Klinikapotheke, die auf eine automatisierte Lösung umgestellt wurde. Der Ansatz nennt sich Unit-Dose und jede Patientin, jeder Patient erhält nun automatisiert individuelle Blistertütchen mit den verordneten Medikamenten und allen notwendigen Angaben zum Patienten und zum Arzneimittel. Diese kleinen Päckchen werden über Verpackungsautomaten hergestellt, die sehr schnell, hochpräzise und qualitätsgesichert Medikamente zusammenstellen. Sie bedienen sich dabei aus rund 340 Behältern, die jeweils mit unterschiedlichen Medikamenten befüllt sind. Die Automaten nutzen die Daten aus den tagesaktuellen elektronischen Verordnungen und verpacken anhand dieser Informationen die verschriebenen Medikamente genau in der passenden Menge für den einzelnen Verabreichungszeitpunkt pro Patientin bzw. Patient in Blistertütchen. Zuvor wird jede ärztliche Verordnung noch einmal pharmazeutisch validiert.  Abschließend prüft ein optisches Kontrollgerät nochmals den Inhalt, es erkennt die unterschiedlichen Tabletten und kann so feststellen, ob die richtigen Medikamente in der richtigen Anzahl gepackt wurden. In 2025 wurden am UKS fast eine Million Blistertütchen produziert und an die Patientinnen und Patienten ausgegeben. Die monatliche Produktionsleistung liegt aktuell bereits bei 90.000 verblisterten Päckchen. 

Nachdem die Tütchen auf der Station angekommen sind, folgt der vierte und letzte Teilbereich des Closed-Loop-Medication-Managements, die Verabreichung der Medikamente durch das Pflegepersonal. Anhand der umfangreichen Angaben auf den Unit-Dose-Päckchen wird von den Pflegefachkräften erneut sichergestellt, dass die richtigen Medikamente verabreicht werden. Auch diese Medikamentengabe wird wieder elektronisch dokumentiert. 

Deutlich reduzierter Aufwand auf den Stationen bedeutet mehr Zeit für die Patienten 

„Rund 70 Prozent der Medikamente, die auf unserer Station an die Patientinnen und Patienten ausgegeben werden, erhalten wir mittlerweile über das Unit-Dose-Verfahren“, erzählt Johanna Schmidt. Sie leitet die Station der Dermatologie 01 am UKS, die bereits seit zwei Jahren Teil des Closed-Loop-Medication-Managements ist. „Zwei Kollegen aus dem Team der Klinikapotheke hatten uns zu Beginn umfassend über das neue System informiert und die Einführung auf unserer Station begleitet. Das hat reibungslos funktioniert. Die Zeit, die für das Richten der Medikamente benötigt wird, hat sich seitdem deutlich verkürzt. Dies ist insbesondere für die Kolleginnen und Kollegen im Nachtdienst, die den Großteil der Medikamente für den kommenden Tag richten, eine Arbeitserleichterung. Sie müssen nun nicht mehr sämtliche Medikamente abpacken, sondern nur noch die bereits fertig gepackten Tütchen kontrollieren und unter Umständen noch Pulver, Tropfen oder andere Medikamente, die nicht Teil des neuen Verfahrens sind, hinzufügen. Das reduziert den Zeitaufwand deutlich und trägt letztlich dazu bei, dass uns mehr Zeit für unsere wichtigste Aufgabe, die Betreuung und Versorgung unserer Patientinnen und Patienten, zur Verfügung steht.“ 

Ähnlich positive Erfahrungen hat das Team der Knochenmarkstransplantations-Station (KMTS) in der Klinik für Innere Medizin I gemacht, das seit September 2025 am neuen Medikamentenmanagement teilnimmt. „Viele unserer Patientinnen und Patienten freuen sich über die umfangreichen Informationen auf den Tütchen. Denn die enthalten nicht nur den Namen des Patienten, das Tagesdatum und die Uhrzeit für die Einnahme, sondern auch diverse Hinweise zum Arzneimittel, zu dessen Wirkstoff und zur Dosierung. Und obendrein einen QR-Code, den die Patientinnen und Patienten mit ihren Smartphones scannen können, um online den Beipackzettel der Arzneimittel einzusehen“, erklärt Anja Müller, die stellvertretende Stationsleiterin der KMTS. „Unsere Patientinnen und Patienten schätzen diese Transparenz und die allermeisten von ihnen sind auch in der Lage, die Medikamente mithilfe der Informationen eigenständig einzunehmen. Bei denjenigen, die zu geschwächt dafür sind, unterstützen wir selbstverständlich in vollem Umfang.“

Mehr Patientensicherheit durch Auswertung der digital gewonnenen Daten

Patientinnen und Patienten am UKS profitieren im Zuge des neuen Medikamenten-managements nicht nur von transparenten Informationen und mehr Sicherheit durch die Vermeidung potenzieller Medikationsfehler dank digitaler Verordnung, Medikations-management durch klinische Pharmazeuten und automatisierter Logistik. „Durch systematische Datenerhebung und kontinuierliche Evaluation können wir auch langfristige Effekte für die Therapiequalität und die Patientensicherheit erzielen“, sagt Dr. Manfred Haber. „So identifizieren wir anhand der gewonnenen Daten Risikomedikamente sowie Risikopatienten und verbessern die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS).“ Künftig sollen die Berufsgruppen am UKS in Form eines AMTS-Newsletters regelmäßig über neu gewonnene Erkenntnisse informiert werden. Dies betrifft beispielsweise Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Gabe verschiedener Medikamente, Hinweise zur Anpassung der Dosierung bei vorliegenden chronischen Erkrankungen oder auch Informationen zu Arzneistoffen, die bei bestimmten Patientengruppen vor, während oder nach der OP nicht gegeben werden sollten.

* Im Herbst 2022 war die Unit-Dose-Versorgung mit patientenindividuellen Arzneimittelblistern am UKS auf zwei Stationen in der Orthopädie pilotiert worden. Im Jahr 2023 war sie auf zehn Stationen mit 13.500 Patienten und 182.500 individuellen Arzneimittelblistern ausgeweitet worden. Insgesamt wurden 180 Betten routinemäßig versorgt. 2024 erstreckte sich die Unit-Dose-Versorgung bereits auf insgesamt 17 Stationen mit ca. 340 aufgestellten Betten. Für 34.000 Patienten wurden über 500.000 Einzelblister produziert. Das monatliche Blisteraufkommen lag Ende des Jahres über 50.000 Einzelblistern. Ende 2025 werden nun ca. 60.000 Patienten auf insgesamt 28 Stationen mit individuellen Arzneimittelblistern versorgt. Die Gesamtmarke von 900.000 patientenindividuellen Einzelblistern wird im Gesamtjahr wahrscheinlich überschritten. Das monatliche Blisteraufkommen steigert sich zu Ende des Jahres auf über 90.000.

Dr. Manfred Haber, Direktor der UKS-Klinikapotheke
UKS / Glücklich Dr. Manfred Haber, Direktor der UKS-Klinikapotheke
Unit Dose
UKS / Herrmann Eine Mitarbeiterin der UKS-Klinikapotheke kontrolliert einen Auftrag am Verpackungsautomaten