Serie Pflegeportraits - Dr. Judith Hammerschmidt: „Pflege ist ein sinnstiftender, wunderbarer und professioneller Beruf.“

Pflegewissenschaftlerin vor Hörsaalgebäude

Dr. Judith Hammerschmidt startete 1991 in Bonn als ausgebildete Pflegefachkraft in der Kardiologischen- und Intensivpflege. Anschließend bildete sie sich zur Stations- und später zur Pflegedienstleitung weiter, übernahm 2006 die Leitung einer Senioreneinrichtung. „Mein Studium der Pflegewissenschaft brachte mich früh mit meinem Herzensthema, der Patientensicherheit, in Berührung“, erzählt sie. Es folgten ein Masterstudium am ersten wissenschaftliche Institut für Patientensicherheit in Deutschland an der Universität Bonn und schließlich die Promotion. Heute leitet sie den berufsbegleitenden Masterstudiengang Advanced Practice Nursing an der Universität des Saarlandes. Diesen hatte sie zuvor selbst in Homburg als Teil der Pflegedirektion und auf Initiative des UKS-Pflegedirektors hin entwickelt und akkreditiert.

Für sie ist die vom Internationalen Pflegerat beschriebene Professionalisierung Teil ihrer gegenwärtigen Aufgabe: „Der Studiengang soll hochqualifizierte Pflegefachpersonen ausbilden, die erweiterte, das heißt sehr komplexe Aufgaben in der direkten Pflege übernehmen, eigenständig forschen und in ihrem Team konkret zur Patientensicherheit beitragen.“ Die neue Definition zeige, dass Pflege weit mehr sei als die Arbeit am Bett. Sie betone die Beratungskompetenz und Prävention, die Patientensicherheit und die interprofessionelle Zusammenarbeit. „Für mich bildet diese Definition das moderne, attraktive und sinnstiftende Berufsbild Pflege realistisch ab.“

Sie beschreibt Pflege für sich selbst als „sinnstiftenden, wunderbaren und professionellen Beruf“. Pflegende begleiten Menschen in allen Lebensphasen, können ihre Gesundheit fördern und mit dem Pflegeprozess komplexe Versorgungssituationen steuern. Diese anspruchsvolle Aufgabe verfügt über eigene Kompetenzen und immer auch eine hohe ethische Verantwortung. „Bei guten Rahmenbedingungen ist der Beruf für Menschen mit unterschiedlichen Bildungswegen langfristig attraktiv. Dies sollte viel stärker genutzt werden, auch durch die eigenverantwortliche Übernahme erweiterter Aufgaben.“

Für Dr. Judith Hammerschmidt hat die Bewertung ihres Berufsstandes zwei Seiten. Auf der einen sei Pflege sehr vielseitig und gesellschaftlich hoch relevant. Sie eröffne moderne und internationale Karrierewege in Praxis, Forschung, Lehre, Beratung, Politik und Management. Die andere Seite seien die großen Herausforderungen wie eben der Fachkräftemangel. „Es ist sehr wichtig, die Pflege in einer beruflichen Autonomie zu sehen, die Umsetzung evidenzbasierter Praxis und die strukturelle Verankerung erweiterter Rollen für akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen im Studiengang zu entwickeln, so wie es international seit Jahrzehnten Standard ist.“ Dabei helfe die Neu-Definition. Sie stärke das Selbstverständnis der Profession, mache die Vielfalt der Pflege sichtbar und liefere starke Argumente für betriebliche und politische Entscheidungen. „Deutschland kann sie dabei helfen, sich stärker an internationalen Standards der Pflege zu orientieren und auch die akademische Weiterentwicklung gezielt voranzutreiben“, betont Dr. Judith Hammerschmidt.

Gesellschaft und Politik sollten verstehen: „Pflegende in Deutschland können und wollen deutlich mehr, als sie derzeit dürfen. Und Pflege kann entscheiden, wo sie gute Bedingungen findet.“