Wolfgang-Stille-Preis für kinderonkologische Studie

rne Simon, Homburger Professor für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie
© Rüdiger Koop Prof. Dr. Arne Simon
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Ein Forscherteam des Universitätsklinikums des Saarlandes hat den renommierten, mit 5000 Euro dotierten Wolfgang-Stille-Preis der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie gewonnen. Cihan Papan und Katharina Reifenrath vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Saar-Universität sowie Arne Simon, Homburger Professor für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie, wurden gemeinsam mit dem pädiatrischen Infektiologen Markus Hufnagel aus Freiburg ausgezeichnet.

Die prämierte Studie, die 2023 im hochrangigen Fachjournal The Lancet Regional Health – Europe veröffentlicht wurde, untersucht die adäquate Anwendung von Antibiotika bei krebskranken Kindern und zeigt, dass fast die Hälfte der Verordnungen nicht den nationalen Leitlinien entspricht. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit optimierter Antibiotikastrategien, um resistente Keime zu vermeiden und die Behandlungssicherheit zu erhöhen. Diese Kinder sind aufgrund ihrer Krebstherapie stark immungeschwächt und daher besonders anfällig für bakterielle Infektionen. Antibiotika sind für ihre Behandlung essenziell, doch ihr unsachgemäßer Einsatz kann zur Entstehung resistenter Keime führen. Die multizentrische Studie, an der 30 kinderonkologische Zentren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt waren, analysierte den Antibiotikaeinsatz bei 320 jungen Patientinnen und Patienten.

In dieser Studie wurde der Einsatz von Antibiotika und Antimykotika in der Kinderonkologie zum ersten Mal nicht nur beschrieben, sondern zusätzlich im Detail beurteilt. Dies geschah durch Expertinnen und Experten für Kinderonkologie und für Infektionen bei Kindern. Jeweils drei Fachleute bildeten ein Panel, welches die 142 Fälle der mit Antibiotika/Antimykotika behandelten Kinder beurteilte. Die Kliniken, in welchen die Patienten behandelt wurden, waren ihnen dabei nicht bekannt.

Legten die Expertinnen und Experten lokale Leitlinien für den Umgang mit Antibiotika als Maßstab an, war etwa ein Drittel (34 Prozent) der Verordnungen inadäquat. Wurden zusätzlich die nationalen Leitlinien als Maßstab für die Behandlung zugrunde gelegt, stieg der Anteil an unsachgemäß eingesetzten Antibiotika sogar auf 48 Prozent. „Inadäquat kann dabei vieles bedeuten“, erläutert Cihan Papan. „Dahinter verbergen sich Fehler in der Dosierung, eine nicht erforderliche Kombinationstherapie mit mehreren Antibiotika oder das fehlende Umsetzen auf ein Antibiotikum mit schmalerem Wirkspektrum, wenn der Erreger und seine Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika bekannt sind“, so der Infektionsmediziner.

„Es war für uns insgesamt erstaunlich, wie wenig sich die nationale Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Fachgesellschaften (AWMF) von 2016 in der klinischen Praxis durchgesetzt hat“, kommentiert Professor Arne Simon, der gerade die Neuauflage dieser nationalen Leitlinie für die Fachgesellschaften koordiniert, die Ergebnisse. „Zur Verbesserung der Situation braucht es eine engere Zusammenarbeit der Kinderonkologinnen und -onkologen mit Fachleuten aus einem sogenannten ‚Antibiotic Stewardship (ABS)‘-Programm. Die verfügen über weiterführende Kenntnisse zur Diagnostik und Therapie von Infektionen und bilden gemeinsam mit den klinischen Mikrobiologen und Apothekern ein ABS-Team.“ Ein ABS-Team könnte gezielt beraten und intervenieren und dabei darauf achten, dass sich die Praxis der Antibiotikatherapie stärker an den nationalen Leitlinien orientiert.

Originalpublikation:
Antimicrobial use in pediatric oncology and hematology in Germany and Austria, 2020/2021: a cross-sectional, multi-center point-prevalence study with a multi-step qualitative adjudication process: https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2023.100599

 

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Arne Simon
(06841) 1628399
arne.simon@uks.eu

Dr. med. Cihan Papan
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